Jul 11

Nachdem hier alle einen kleinen Erfahrungsbericht gegeben haben, was sie auf Reisen etc. erlebt haben, möchte ich mich dieser Tradition anschließen und über mein Auslandsstudium in Australien berichten.

Allgemeine Vorbereitung

Wie es dazu kam, brauch ich glaube ich nicht mehr zu erzählen. Interessant sind die Sachen, welche man vor Reiseantritt wissen sollte.
Als erstes natürlich die Information: Was möchte ich eigentlich studieren? Denn, wie auch in Deutschland, nicht jede Uni bietet jedes Studienfach an. Wenn diese elementare Frage geklärt ist, geht es auch direkt zu Frage Nummer 2: An welcher Uni möchte ich studieren? Die Antwort auf die Frage, kann von verschiedenen Faktoren abhängen. Wie überall sind die Unis unterschiedlich groß, bieten unterschiedliche Freizeitangebote etc. So kann man natürlich in Metropolen wie Sydney oder Melbourne genauso studieren, wie in kleinen Regionen der North Coast oder Surfers Paradise.

Ein nicht unerheblicher Entscheidungspunkt stellen sicherlich die Studiengebühren dar. Denn diese sind nicht unerheblich und unterscheiden sich enorm. So reicht die Spanne von ca. 7000 Australischen Dollar bis zu 16000 Australischen Dollar. Pro Semester sei dazu angemerkt. Wenn diese Entscheidungen getroffen sind, geht es an die Vorbereitung des Aufenthaltes.
Im Allgemeinen wird empfohlen die ganze Planung zirka ein Jahr vor dem geplanten Auslandsaufenthalt zu planen. Es geht allerdings auch in wesentlich kürzerer Zeit. Bei mir waren es ungefähr 6 Monate. Der erste Schritt liegt darin, zu schauen welche Anforderungen die Universitäten an einen selbst haben. Ob man gewisse Vorleistungen erbracht haben muss. Ob man einen Sprachnachweis benötigt etc. Dies gilt es dann erst einmal zu schaffen, um überhaupt die Zulassungskriterien für die Wunschuni zu erfüllen.
Da dies eine Menge Formalitäten umfasst möchte ich hier darauf hinweisen, dass es Vereine gibt, welche sich darauf spezialisiert haben, Deutsche Studenten das Studium an Australischen und Neuseeländischen Hochschulen zu ermöglichen. Die beiden größten sind das Institut Ranke-Heinemann und GOstralia, welche die komplette Kommunikation mit den Australischen Unis und Behörden für Euch übernehmen. Die kann ich Euch nur empfehlen, da es eine Menge Lauferei und auch Porto spart.
Wenn nun alle Voraussetzungen erfüllt sind, man alle Formulare und Nachweise zusammen hat und es losgehen kann, bewirbt man sich entsprechend für eine Uni. Dabei wird bereits angegeben, welche Kurse man im Semester dort besuchen möchte. Diese sind natürlich dann noch nicht fix, des es gibt in Australien die sogenannte „Orientation Week“. Diese dauert, anders als der Name vermuten lässt, ganze 2 Wochen. In dieser Zeit kann man sämtliche angebotenen Kurse besuchen und kann sich danach ohne Probleme für oder gegen entsprechende Kurse entscheiden.

Das Visum

Wenn man die Bewerbung abgegeben hat, bekommt man nach 2-4 Wochen den „letter of invitation“ von der Uni zugeschickt. Das ist das Studienangebot, welches Euch die Uni unterbreitet. Darin sind Studiengang, Vorlesungen etc. aufgeführt wie Ihr sie bei der Bewerbung angegeben habt. Dieses Angebot nehmt Ihr an, indem die Studiengebühren an die Uni überwiesen werden. Sobald das Geld bei der Uni gutgeschrieben wurde, bekommt Ihr das nächste Formular. Das „Certificate of enrollment“. Sozusagen Eure Studienbescheinigung. Diese benötigt Ihr, um die australische Krankenversicherung abzuschließen die für jeden Studenten, der nach Australien möchte, Pflicht ist. Normalerweise schicken Euch die Uni direkt ein paar Angebote mit, da sie oftmals Verträge mit entsprechenden Versicherungen haben und man so bessere Konditionen bekommt. Im Schnitt kostet die Versicherung ca. 350 AUD im Jahr. Auch von der Versicherung erhält man ein entsprechenden Nachweis, dass Versicherungsschutz besteht. Mit der CoE und der OSHC (Overseas Student Health Coverage), kann man nun das Studentenvisa beantragen. Dies geschieht online über die Seite der Australischen Immigrationsbehörde. Neben einem umfangreichen Fragebogen, werden dabei auch die Nummern der CoE und OSHC abgefragt. Es geht also ohne die beiden nichts weiter. Man benötigt auch dringend eine Kreditkarte um den Visaantrag zu stellen. Die Visabearbeitung geht im Allgemeinen recht zügig. Ich hatte meine Bewilligung bereits nach 2 Stunden im Mailpostfach. Diese solltet Ihr Euch ausdrucken, da es nur elektronische Visa gibt, die zu Eurem Pass gespeichert werden. Sollte es Probleme bei der Einreise kommen, hat man so wenigstens einen Anhaltspunkt um den Grenzbeamten die Suche nach dem Visa zu erleichtern.

Leben und Wohnen in Australien

Wenn all diese Schritte gegangen sind, steht dem Abenteuer Australien nichts mehr im Wege. Für die ersten 3-4 Wochen würde ich empfehlen sich in einem Studentenwohnheim einzumieten. Die sind zwar etwas teurer als normale Wohnungen, bieten aber den Vorteil das man unheimlich schnell Anschluß findet. Und vielleicht sogar ein paar Leute, mit denen man eine WG gründen kann. Etwas ungewohnt ist, das in Australien die Miete 14tägig im voraus zu zahlen ist. Meist kommt der Vermieter dazu persönlich vorbei, schaut nach dem rechten und kassiert die Miete direkt in Bar. Die Mietkosten liegen ungefähr gleich zu denen in Deutschland (10-15€ im Monat pro qm), allerdings sind die allgemeinen Lebenshaltungskosten etwas höher als hier. Vorallem der Alkoholkonsum kann dort mächtig ins Geld gehen, da nur in lizenzierten Geschäften verkauft wird, und die Marge entsprechend hoch ist. Wichtig zu wissen: Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken ist strikt verboten. Und wenn die Aussies auch sonst ganz cool sind, und auch die Polizisten locker drauf sind, das ist eines der wenigen Sachen wo sie keinen Spaß verstehen. Dies wird ausnahmslos geahndet und geht mit 150AUD Strafe ganz schön ins Geld.

Das Erlebnis Studium

An der Uni selbst, merkt man dann allerdings wofür die Studiengebühren verwendet werden. Alle Hörsäle sind sauber, groß und ordentlich, die Bibliotheken sind top ausgestattet und die Kurse entsprechend gut mit Übungsleitern versorgt. Ein Seminar bzw. Übungskurs ist nur in den seltensten Fällen mit mehr als 15-20 Studenten belegt. Es ist also immer für eine gute Lernatmosphäre gesorgt. Was mir in der Uni dort besonders gefallen hat, ist die konsequente Open Door Policy der Dozenten. Man konnte jederzeit zu Ihnen gehen und muss nicht lange auf einen Termin warten. Auch die Anrede mit Vornamen baut Hindernisse ab, den Dozenten direkt anzusprechen. Generell ist das Servicedenken, das den Studenten gegenüber zum Vorschein kommt ein enormer Unterschied zum deutschen System an den man sich erst mal gewöhnen muss. Das Studium selbst, ist verschulter als in Deutschland. Meist behandelt man Themen anhand eines Lehrbuchs und in den Übungen werden die Aufgaben aus den Büchern gelöst. Meist kommt dazu noch 1 oder 2 Hausarbeiten, welche allerdings maximal 5 Seiten umfassen, und eine Klausur am Ende des Semesters. Dabei gehen alle Leistungen in die Endnote mit ein, nicht nur die Klausur.

Zusammenfassend kann ich jedem nur empfehlen sich auf das Studium in Australien einzulassen. Nicht nur, um eine andere (Studien)kultur kennenzulernen, sondern auch weil es eine persönliche Erfahrung ist, die man sein Leben lang nicht mehr vergessen wird.

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